Umgehungsbach ERBA
Ein Projekt des Freistaates Bayern in Kooperation mit der Stadt Bamberg, der Landesgartenschau Bamberg und dem ERBA Kraftwerksbetreiber
Der Fischpass ist die Lebensader und das “Rückgrat” des Parks der Landesgartenschau 2012 Bamberg. Er hat sowohl wichtige gewässerökologische Funktionen als auch die Aufgabe, den Erlebnis- und Freizeitwert des Parks der Landesgartenschau mitzugestalten.
Das ökologische Hauptziel ist die Durchgängigkeit und Durchwanderbarkeit der Regnitz für Fische und andere Wasserlebewesen. Die Durchgängigkeit der Flüsse und Bäche ist eine entscheidende Voraussetzung für das langfristige Überleben der Fische und vieler anderer Wasserorganismen. Beispielhaft wird dies mit dem neuen Umgehungsbach an der Staustufe des Kraftwerkes Erba erreicht. Der Bach überwindet hier mit einer Länge von etwa 1200 m eine Stauhöhe von 3,15 m. Zur Speisung des Baches stellt der Betreiber der Kraftwerksanlage 1000 Liter/Sekunde zur Verfügung, die aus dem Oberwasser der Wehranlage ausgeleitet werden.

Das ERBA-Kraftwerk
Der Fischpass ist Bestandteil des Gesamtkonzeptes der Landesgartenschau 2012 Bamberg. Es entsteht eine neue Park- und Gewässerlandschaft mit hohem Erlebnis- und Freizeitwert. Durch die am neuen Bach entlang verlaufenden Wege, die zugänglichen Flachwasserbereiche, Spielmöglichkeiten, Sitzsteine, Sand- und Kiesbänke erschließt sich dem Besucher ein interessanter Naturerlebnisraum, der zum Verweilen einlädt.

Das Gesamtkonzept für den neuen Bach
Planung und Bauoberleitung
Wasserwirtschaftsamt Kronach in Zusammenarbeit mit der Landesgartenschau - Landschaftsarchitekturbüro Brugger
Finanzierung
Freistaat Bayern: 1,0 Mio €
Stadt Bamberg: 0,8 Mio €
Kraftwerk Erba: 0,2 Mio €
Daten
Gesamtlänge: 1200 m
Gefällesprung: 3,15 m
Erdbewegung: ca. 70.000 m3
belastetes Material entsorgen: ca. 47.000 m3
Wasserbausteine: ca. 5.000 t
Der Spatenstich fand am 2. Juli 2009 statt.
Lage des Vorhabens
Das geplante Vorhaben liegt mit seinen wesentlichen Teilen im nordöstlichen Teil der Stadt Bamberg zwischen dem Main-Donau-Kanal und dem linken Regnitzarm. Diese Halbinsel war größtenteils ein brachliegendes Textilindustriegebiet.
In diesem geplanten Nordpark der Stadt Bamberg liegt eine alte verfüllte Altwasserschleife, die teilweise reaktiviert wurde. Die Stauanlage mit Kraftwerkshaus befindet sich am linken Regnitzarm bei Flusskilometer 3,600. Am linken Ufer des linken Regnitzarmes liegt eine Schleuse für die Flussschifffahrt. Der Einlaufbereich für das Umgehungsgerinne im Oberwasser liegt bei Flusskilometer 3,600, der Auslaufbereich im Unterwasser bei Flusskilometer 3,200.
Altlasten
Eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung der Bauarbeiten für die Wasserwirtschaft war die Entsorgung der im Baugrund vorhandenen Altlasten. Bis z. T. fast 5 m tief fand sich unterschiedlich belastetes Material, von gering verunreinigten Böden bis zur sogenannten Deponieklasse I, die einem hohen Belastungsgrad entspricht. Zu den Altlasten gehörten Verbrennungsrückstände aus dem Produktionsprozess der Baumwollspinnerei ebenso wie Hausmüll. Die Altlasten wurden durch spezialisierte Ingenieurbüros vor Ort untersucht und umweltgerecht entsorgt.

Altlasten
Archäologische Untersuchungen zu früh- bis hochmittelalterlichen Siedlungen
Im westlichen Teil des Fischpasses wurden 7 Sondagen (Tiefenprofile) bis zu einer Tiefe von 7 m in Begleitung eines qualifizierten Grabungsbüros durchgeführt und dokumentiert. Die Untersuchungen erbrachten keinerlei Hinweise auf ältere Kulturschichten.

Beispiel für ausgegrabene Sondage
Konstruktive Gestaltung
- Die Ufer des neuen Baches wurden mit gesetzten Wasserbausteinen gesichert und grob gestaltet.
- Die Böschungen über der Wasserlinie wurden ohne technische Sicherungen gestaltet und teilweise mit Sand/Sandhumusgemisch abgedeckt.
- Die Böschungsneigungen wechseln zwischen 1:1,5 bis 1:5.
- Die Gewässerprofile wurden asymmetrisch und naturnah mit kleinen Kolken, Einzelsteinen, Wurzelstöcken, Totholzeinbauten, Flachwasserzonen und kleinen Buhnenfeldern gestaltet.
- Die Sohlsicherung erfolgte mit Schrotten in einer Stärke von 20 cm und einer mindestens 20 cm starken Kies-Sandüberdeckung.
- An einigen Stellen bereichern Wasserkaskaden die Vielfalt des Fließgewässers.
- Eine standortgerechte Uferbepflanzung verhindert eine Erwärmung des Fischpasses im Sommer und fügt das neu geschaffene Gewässer harmonisch in die Landschaft ein.

Einbau der Lehmabdichtung
Beweissicherungsmaßnahmen
Im Baufeld des Fischpasses wurden vor Baubeginn 7 Beobachtungspegel für Grundwasser zur Beweissicherung eingebaut. Die Auswertungsergebnisse der Grundwasserpegel zeigten keine Veränderungen auf die Grundwasserstände. Zusätzlich wurde bei dem angrenzenden Gebäude ein Rissmonitoring eingebaut. Auch hier wurden keine Schäden beim Bau bzw. Abtransport der Erdmassen und Altlasten aufgezeigt.Artenschutzmaßnahmen
Im Rahmen der Baumaßnahme wurden im Auslaufbereich zwei Steilwände für den Eisvogel und mehrere Biotope für die vorhandenen Zauneidechsen erstellt.

Eisvogel vor Eisvogelwand
Flutung des Fischpasses
Am 22. März 2010 wurde der Fischpass offiziell geflutet.

Flutung des Fischpasses

Gewässerlauf im Mündungsbereich

Blick auf den Gewässerlauf nach einigen Wochen Entwicklung

